Kampagne "Gefährdungsbeurteilung"

Eine von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) lancierte Kampagne.

Mit «Gesunde Arbeitsplätze – ein Gewinn für alle» hat die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) eine Kampagne zur Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz lanciert. Die Kampagne richtet sich insbesondere an Hochrisikobranchen und an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Ziel ist, das Bewusstsein aller am Arbeitsprozess Beteiligten für das Erkennen und Beseiti-gen von Gefährdungen zu schärfen sowie entsprechende Massnahmen zu ergreifen, um damit die arbeitsbedingten Unfälle in der EU deutlich zu senken.

Wird die Gefährdungsbeurteilung – Ausgangspunkt fürs Gesundheits- und Sicherheitsmanagement – nicht sorgfältig oder gar nicht durchgeführt, so können keine angemessenen Schutzmassnahmen umgesetzt werden. Die Gefährdungsbeurteilung ist ein Prozess, der es den Betrieben ermöglicht, vor einem Problem gezielt Massnahmen zum Umgang mit Gefährdungen am Arbeitsplatz umzuset-zen. Deshalb ist die Gefährdungsbeurteilung als Schlüssel zu gesunden Arbeitsplätzen zentral.

Risikobewertung: ein aktuelles Thema in der EU - und in der Schweiz?

  • Es gibt allgemein kein ausreichendes Bewusstsein für die Erfordernisse und für die Art und Weise der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung;
  • Gefährdungsbeurteilung, Dokumentation und Überwachung sind nicht allgemein verbreitet;
  • Gefährdungsbeurteilung wird oft als einmalige Massnahme betrachtet und nicht zur Regel gemacht;
  • Risiken werden nicht in ihrer Gesamtheit analysiert und beurteilt. Das fehlen eines integrierten Ansatzes zur Analyse der Bedingungen am Arbeitsplatz führt dazu, dass nur Einzelmassnahmen durchgeführt werden;
  • Bei der Durchführung oberflächlicher Gefährdungsbeurteilungen liegt der Schwerpunkt auf offensichtlichen und unmittelbaren Risiken; Langzeitwirkungen, wie sie z. B. durch chemische Stoffe verursacht werden, werden vernachlässigt;
  • Psychosoziale Risiken und Faktoren der Arbeitsorganisation werden bei der Gefähr-dungsbeurteilung nur selten berücksichtigt;
  • Die Effizienz der ergriffenen Massnahmen wird von den Arbeitgebern nicht ausreichend überwacht.

Was ist die Gefährdungsbeurteilung?

Sie ist das systematische Verfahren (a) zur Untersuchung aller Arbeitsaspekte und (b) zur Beurteilung von Gesundheits- und Sicherheitsgefährdungen der Arbeitnehmenden, die aus den Gefahren am Arbeitsplatz resultieren. Ähnlich wie die Artikel 3 bis 10 der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) alle Arbeitgeber verpflichten, die in ihrem Unternehmen auftretenden Gefahren zu ermitteln und die erforderlichen Schutzmassnahmen und Anordnungen nach anerkannten Regeln der Technik zu treffen, verpflichtet die Europäische Rahmenrichtlinie 89/391 alle Arbeitgeber in der EU, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen. Der entsprechende Leitfaden der Europäischen Kommission umfasst die folgenden fünf Schritte:

Schritt 1 – Ermittlung der Gefahren und der gefährdeten Personen

Erkennen aller relevanten Gefahrenquellen am Arbeitsplatz (nicht nur die direkten oder offensichtlichen) und Ermittlung der potenziell gefährdeten Personen. Eine Gefahr kann all das sein – Arbeitsstoffe, Arbeitsmittel, Arbeitsmethoden oder -praktiken –, was potenziell Schaden zu verursachen vermag.

Schritt 2 – Bewertung von Gefährdungen und Setzen von Prioritäten

Schriftliche Bewertung der vorhandenen Gefährdungen (nach Schwere, Wahrscheinlichkeit usw.) und Festlegung der Priorität nach Wichtigkeit.

Schritt 3 – Entscheidung über präventive Massnahmen

Ermittlung der geeigneten Massnahmen zur Beseitigung oder Kontrolle der Gefährdungen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sämtliche Arbeiten zur Beseitigung oder Vermeidung von Gefährdungen Vorrang haben.

Schritt 4 – Ergreifen von Massnahmen

Einführung der Präventions- und Schutzmassnahmen über einen Massnahmenkatalog (vermutlich lassen sich nicht alle Probleme sofort lösen) und Festlegung, wer was und wann tut, wann eine Aufgabe fertig zu stellen ist und Festlegung der Mittel, die zur Umsetzung der Massnahmen vorgesehen sind.

Schritt 5 – Überwachung und Überprüfung

Die Gefährdungsbeurteilung und die Effizienz der realisierten Schutzmassnahmen sollte einer regelmässigen Überprüfung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass sie immer auf dem neuesten Stand ist. Bei Eintritt von wesentlichen Änderungen in der Organisation oder infolge der Ergebnisse einer Untersuchung zu einem Arbeitsunfall oder einem „Beinaheunfall“ ist sie zu überarbeiten.

In der Schweiz wird das analoge Verfahren durch die EKAS-Richtlinie Nr. 6508 vorgegeben, welche im Falle der Existenz besonderer Gefahren im Unternehmen den Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit verlangt.

Standardisierte Formen integrierter Lösungen mit den 5 Schritten sind die von der EKAS genehmigten Branchenlösungen , Betriebsgruppenlösungen und Modelllösungen.

1. Veranstaltung

Die 12. Schweizerische Tagung für Arbeitssicherheit (STAS 2009) fand am Donnerstag, 22. Oktober 2009, im Kultur- und Kongresszentrum KKL Luzern statt.


Das Thema lautete "Risikomanagement zahlt sich aus". Es wurde informiert über

  • Umgang von Führungsverantwortlichen mit Risiken angesichts des Kosten- und Zeitdrucks und in einer Phase gebremsten Wachstums
  • Chancen und Risiken der Unternehmung in einem sicheren Gleichgewicht halten
  • Praktische Beispiele, wie mit Risken erfolgreich umgegangen wird

Die Kurzfassungen der Referate können hier bezogen werden.

2. Informationsmittel und Weiterbildungsangebote

Risikoanalyse Informations- und Arbeitsmittel

  • Die Gefahrenermittlung und Risikobeurteilung im Sicherheitssystem
    Die systemorientierte Prävention geht über die Behebung einzelner Mängel hinaus und hat zum Ziel, die Wiederholung oder Entstehung ähnlicher Mängel im gesamten Unternehmen nachhaltig zu verhindern. In der Regel braucht es dazu eine Kombination von technischen, organisatorischen und personenbezogenen Massnahmen. Das Sicherheitssystem gewährleistet diese Nachhaltigkeit. Zudem fasst es die wichtigsten Anforderungen auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes zu einem griffigen Arbeitsinstrument zusammen. Für Arbeitgeber und Sicherheitsfachkräfte ist es eine praktische Hilfe, um ihre Verantwortung wahrzunehmen und die Sicherheit und Gesundheit im Unternehmen kontinuierlich zu verbessern.
    Bezugsquelle: Suva
  • EU-Factsheet 80
    Gefährdungsbeurteilung – Rollen und Pflichten
    Bezugsquelle: EU-OSHA
  • EU-Factsheet 81
    Gefährdungsbeurteilung – der Schlüssel zu gesunden Arbeitsplätzen
    Bezugsquelle: EU-OSHA
  • EU-Magazine 11 (nur Englisch)
    Healthy Workplaces. Good for you. Good for business.
    Bezugsquelle: EU-OSHA
  • EU-E-FACTS 32 (nur Englisch)
    Common errors in the risk assessment process (nur Englisch)
    Bezugsquelle: EU-OSHA
  • Risk assessment essentials (nur Englisch)
    Bezugsquelle: EU-OSHA

Film (DVD)

NAPO "Schach dem Risiko!"
Unfälle können vermieden werden, wenn wir in der Lage sind, die Gefahren richtig einzuschätzen und angemessen zu handeln. Um dies zu erreichen, müssen die Mitarbeitenden immer wieder für die Risiken am Arbeitsplatz sensibilisiert werden. In "Schach dem Risiko!" begegnet Napo, der Held der Geschichte, bei seiner Arbeit verschiedenen Gefahren. Der Film zeigt auf einfache und unterhaltsame Weise, wie mit Risiken richtig umgegangen wird. Bezugsquelle: Suva

Projekte und Kampagnen

Kampagne „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in KMU-Betrieben des Dienstleistungssektors“ der EKAS

Schulungen

3. Stand der Technik

  • Die Wegleitung durch die Arbeitssicherheit
    Die Wegleitung der EKAS durch die Arbeitssicherheit ist die Erläuterung der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten.
    Bezugsquelle: EKAS
  • Wegleitung zu den Verordnungen 3 und 4 zum Arbeitsgesetz
    Anhand praktischer Beispiele erläutert diese Wegleitung die Bestimmungen der Verordnungen 3 (Gesundheitsvorsorge) und 4 (Industrielle Betriebe, Plangenehmigung und Betriebsbewilligung) zum Arbeitsgesetz. Sie richtet sich an Vollzugsbehörden wie auch direkt betroffene Unternehmer, Architekten, Planer und weiteren Fachpersonen.
    Bezugsquelle: SECO

4. Facts & Figures

5. Forschung

Expertenbefragungen zu neu auftretenden Risiken für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

6. Links

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Stand 31.3.2009 - Der Inhalt dieser Seite wird periodisch aktualisiert.